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Ausbreitung - Troposphärenfunk

 

Wenn das Militär auf Amateurfunk-Techniken blickt

Sollte die Kommunikation im Krisenfall tatsächlich unabhängig von Satelliten und anfälligen Kabelinfrastrukturen funktionieren? Wie erst kürzlich im Fachportal hartpunkt unter der Meldung „Satellitenunabhängige Kommunikation: Tragbare Troposcatter-Systeme sollen TaWAN ergänzen“ berichtet wurde, setzt das Militär angesichts zunehmender Bedrohungen wieder verstärkt auf diese bodenbundene Technik. Wenn Satellitenverbindungen im Ernstfall durch Jamming oder kinetische Einwirkung ausfallen, schließt der Troposphärenfunk die entscheidenden Lücken in der vernetzten Kommunikation.

Vor Einführung der Satellitenkommunikation und moderner Weitverkehrsnetze waren troposphärische Überhorizontstrecken das Rückgrat absolut krisenfester, abhörsicherer und von zivilen Netzen unabhängiger Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Ein prominentes historisches Beispiel ist das legendäre ACE High-Netz der NATO oder die strategische Direktverbindung zwischen dem isolierten West-Berlin und der Bundesrepublik Deutschland während des „Kalten Krieges“. Damals wie heute fasziniert dieser Ansatz: Während Satellitenverbindungen leicht gestört werden können und herkömmliche Richtfunkstrecken strikt an die Sichtlinie (Line-of-Sight) gebunden sind, bietet der Troposcatter eine robuste, dezentrale Alternative.

Genau diese Resilienz und Unabhängigkeit macht die Technologie auch für den ambitionierten Amateurfunk so wertvoll. Wer sich mit den physikalischen Parametern von Scatter-Verbindungen auseinandersetzt, betreibt nicht nur reinen Funkbetrieb, sondern schlägt die Brücke zu einer harten, bodenständigen Infrastrukturunabhängigkeit, die im Krisen- und Katastrophenschutz ihresgleichen sucht.

Vom militärischen Konzept zum Amateurfunk-Experiment

Bild: hartpunkt / Waldemar Geiger
Wäre es nicht schön, jeden Tag deutschlandweite, störungsfreie Funkverbindungen zu führen? Wer die derzeitige Situation auf dem 80m-Deutschlandband kennt, weiß, wie schwierig das ist. Neben den oft nicht zuträglichen Ausbreitungsbedingungen stören LED-Netzteile, PLC & Co. Welcher Ausweg bietet sich an, um die Ursprünglichkeit des Funkens zu erleben, ohne die internetaffinen digitalen Betriebsarten zu nutzen?

Wir erinnern uns an die Zeiten der alten C-Lizenz: Damals war es den Inhabern nicht gestattet, Kurzwellenfunkbetrieb zu machen. Also orientierte man sich am Machbaren und nutzte die höheren Bänder für Verbindungen über mehrere hundert Kilometer. Diese Möglichkeit ist anscheinend bei vielen heutigen Funkfreunden in Vergessenheit geraten. Gerade mit modernen Transceivern und deren vergleichsweise hoher Ausgangsleistung, hoher Empfängerempfindlichkeit, dämpfungsarmen Antennenkabeln und ausgereiften Antennenkonzepten ist es möglich, erfolgreich an diese Hochzeit der VHF-/UHF-Bänder anzuknüpfen.

Troposphärenfunk


Mit Troposphäre bezeichnet man die unterste Schicht der Atmosphäre, in der das gesamte Wettergeschehen stattfindet. Sie reicht vom Erdboden bis in eine – je nach Jahreszeit bedingten – Höhe von etwa zehn bis fünfzehn Kilometern. In den oberen Schichten der Troposphäre finden ständig meist chaotische Turbulenzen statt, die durch verschiedenste meteorologische Ereignisse hervorgerufen werden. Die Turbulenzen, deren Abmessungen im Bereich von etwa 100 Metern liegen, führen zu Dichte-, Feuchtigkeits- und Dielektrizitätsänderungen.

An diesen räumlich ausgedehnten „Blasen“ streut sich ein kleiner Teil der hindurchgehenden Hochfrequenzstrahlung. Diesen Effekt nutzt der Troposphärenfunk (Troposcatter) aus, um Verbindungen über große Entfernungen vom unteren VHF-Bereich bis hin zu UHF zu ermöglichen. Diese Verbindungen sind tagtäglich konstant möglich. Veranschaulichen kann man sich die troposphärische Streuung an den nächtlichen Lichtglocken großer Städte, die bei feuchtem Wetter bis weit hinter dem Horizont zu sehen sind. Dort wirken kleinste Wassertropfen in der Atmosphäre als Verursacher der Lichtstreuung.

Mindestausstattung


Versuche haben gezeigt, dass bei einer Troposcatter-Verbindung mit etwa 80 dB Zusatzdämpfung gegenüber der Freiraumausbreitung gerechnet werden muss. Zudem ändern sich Struktur und Position der Reflexionsräume stetig, weshalb Tropoverbindungen sehr oft mit mehr oder weniger tiefen Schwundphasen (Fading) verbunden sind.

Legt man auf Sender- und Empfängerseite beispielsweise jeweils eine 10-Element-Yagiantenne (mit einem Gewinn von ca. 12 dBd) zugrunde, bedeutet dies, dass im 2m-Band mit einer Senderausgangsleistung von 100 Watt in SSB Entfernungen von 300 bis 400 Kilometern mit gut verständlichen Signalen und einer ausreichenden Schwundreserve überbrückt werden können. Bei dem Einsatz von antennennahen Empfangsvorverstärkern und/oder leistungsfähigeren Antennenanlagen steigen die Reichweiten natürlich noch an. Auf höheren Bändern sind – dank des im Verhältnis zur Ausbreitungsdämpfung überproportional steigenden Antennengewinns – sogar noch bessere Resultate erzielbar.


Abgrenzung zu anderen Ausbreitungsarten


Neben dem täglich nutzbaren Troposcatter bieten troposphärische Überreichweiten, Reflexionen an der sporadischen E-Schicht, Erd-Mond-Erde-Verbindungen (EME) und Satellitenfunk weitere Möglichkeiten des Überhorizontfunkbetriebs auf den VHF-/UHF-Bändern. Diese sind jedoch meist nur zeitweise und/oder mit teils erheblichem technischen Aufwand realisierbar.

Fazit


So oder so: Jenseits von 30 MHz bieten sich äußerst interessante Betriebsmöglichkeiten. Moderne Technik sowie oft bereits vorhandene, aber ungenutzte Geräte und Antennen gestatten verlässliche, deutschlandweite Funkverbindungen. Sie führen – anders als der „digitale Internetfunk“ – zu einem echten, erlebbaren Alltagsabenteuer und machen den Amateurfunk wieder zu dem, was er im besten Sinne sein soll: Experimentalfunk.

Ich freue mich auf zahlreiche Anrufe auf 144,300 MHz und den anderen SSB-Direktfrequenzen!



Warum dein Gehör der beste Empfänger im Funkbetrieb ist

Der Artikel wurde in der cq-DL 09/26 veröffentlicht.

Wir Funkamateure investieren viel in unsere Ausrüstung: erstklassige Transceiver, leistungsstarke Antennen und modernstes Zubehör. Doch was ist mit dem wichtigsten Element der Empfangskette? Unserem eigenen Gehör. Gerade auf Kurzwelle (KW) kann die Verständlichkeit von Sprachsignalen durch Rauschen, Störungen und Fading stark beeinträchtigt werden. Ein bewusster Umgang mit der eigenen Hörfähigkeit kann hier einen entscheidenden Vorteil bringen.

1. Das Problem: Sprache im Funkverkehr

Die menschliche Sprache besteht aus zwei Hauptkomponenten: Vokalen und Konsonanten. Vokale (wie A, E, O) tragen die Energie der Sprache und liegen in den tieferen Frequenzbereichen unter 1 kHz. Sie sind für die allgemeine Stimmfülle verantwortlich.[1, 2] Die eigentliche Information und Verständlichkeit von Wörtern, Rufzeichen und Zahlen liegt jedoch bei den Konsonanten (wie S, T, K). Diese Laute sind in den höheren Frequenzen zwischen 1 und 4 kHz angesiedelt.[1]

Das Bild zeigt Hörschwelle einzelner Vokale bzw. Konsonanten versus der relevanten Frequenz im Sprachspektrum. Man kann erkennen, dass eine Hörschwäche von -30dB, wie sie schon natürlich im Alter von 40 Jahren stattfindet, die Erkennbarkeit und Unterscheidbarkeit von F, S, T und H beeinträchtigt.


Das Bild zeigt den typischen Hörverlust im Frequenzspektrum versus Lebensalter


Im SSB-Modus (Single Sideband), dem Standard im KW-Sprechfunk, wird das Signal auf eine schmale Bandbreite von typischerweise 2,4 bis 3 kHz komprimiert.[3] Ein altersbedingter Hörverlust betrifft oft zuerst und am stärksten genau diesen wichtigen Hochtonbereich. Das bedeutet: Auch wenn das Signal technisch einwandfrei empfangen wird, können entscheidende Konsonanten einfach nicht mehr richtig wahrgenommen werden.

2. Die Lösung: Ein einfacher Hör-Selbsttest

Bevor man an der Technik schraubt, sollte man die eigene Hörfähigkeit überprüfen. Spezielle Apps für das Smartphone sind dafür ideal, auch wenn sie keinen medizinischen Test ersetzen.[4, 5] Sie geben einen schnellen, praxisnahen Überblick.

  • WHO HearWHO: Diese App simuliert mit einem „Speech-in-Noise“-Test reale Funkbedingungen. Sie spielt Zahlen im Hintergrundrauschen vor und prüft, wie gut Sie Sprache in einer störenden Umgebung verstehen.[4, 6]
  • Hearing Number: Diese App nutzt die Reinton-Audiometrie. Sie spielt reine Töne in verschiedenen Frequenzen ab und hilft Ihnen, eine persönliche Hörkurve zu erstellen. So können Sie genau feststellen, in welchen Frequenzbereichen Sie Schwächen haben.[5, 7]

3. Die Praxis: Die Station auf dein Gehör abstimmen

Die Ergebnisse eines Hörtests sind wertvolles Feedback, um die eigene Funkstation gezielt zu optimieren.

  • Equalizer-Einstellungen anpassen: Viele moderne Transceiver verfügen über eingebaute DSP-Equalizer. Bei Hochtonverlusten ist es ratsam, die Höhen anzuheben (z. B. den Bereich über 2 kHz). Gleichzeitig kann man die tiefen Frequenzen unter 500 Hz leicht absenken, um störendes Rauschen zu reduzieren.[8, 9]
  • DSP-Filter gezielt nutzen: Verwenden Sie die DSP-Rauschunterdrückung. Moderne Algorithmen können Hintergrundrauschen filtern, ohne die Sprachinformation zu verlieren. Das macht das Hören deutlich weniger anstrengend.[10, 11] Auch eine Reduzierung der Bandbreite auf 2,1 kHz kann benachbarte Störungen effektiv ausblenden.[3]
  • Ausrüstung optimieren: Hochwertige Kopfhörer, die für präzise Audiowiedergabe bekannt sind, können einen Unterschied machen. Einige Funkamateure mit fortgeschrittenem Hörverlust schwören auf externe DSP-Geräte oder nutzen Induktionsspulen, um das Funksignal direkt in ihre Hörgeräte zu übertragen.[9, 12]

Fazit

Dein Gehör ist der entscheidende, oft unterschätzte Teil der Empfangskette. Ein einfacher Hör-Selbsttest kann dir wertvolle Informationen liefern. Indem du deine Funkstation gezielt auf deine persönliche Hörkurve abstimmst, steigerst du nicht nur den Spaß am Hobby, sondern verbesserst auch die Verständlichkeit und Sicherheit deiner Kommunikation in kritischen Situationen. Es ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Schritt hin zu effektiverem Sprechfunk.


Copyright-Hinweis: © 2026 Wilhelm Hombach (DL4KAL). Der Text basierend auf einer Fachanalyse wurde für den Blog sowie zur Veröffentlichung im Fachmagazin FUNKAMATEUR verfasst. Alle Rechte am Text und den bereitgestellten Inhalten vorbehalten.

RM Noise – Eine Revolution für den Äther?


Der Artikel wurde im FUNKAMATEUR 01/26 veröffentlicht.

Das Grundrauschen im Amateurfunk hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wer heute das Band aufdreht, kämpft oft nicht mehr nur mit natürlichem atmosphärischem Rauschen, sondern mit einer modernen Sinfonie aus Elektrosmog: Schaltnetzteile, Solaranlagen-Inverter und LED-Beleuchtung erzeugen komplexe, breitbandige Störungen, die dynamisch in Echtzeit variieren.

Klassische Digital Signal Processing (DSP)-Filter in Transceivern wie dem Icom IC-7300 oder externen Einheiten stoßen bei solchen hochkomplexen, nicht-periodischen Geräuschen schnell an ihre Grenzen. Genau hier setzt eine spannende Entwicklung an: RM Noise.


Was ist RM Noise? Das Prinzip hinter der Cloud-KI

RM Noise ist eine Software, die eine KI-gestützte Echtzeit-Rauschunterdrückung für SSB-Sprach- und CW-Signale ermöglicht. Das Besondere an diesem Ansatz ist die Client-Server-Architektur:

  1. Lokaler Client: Ein Windows-Client erfasst das Audiosignal (vom Funkgerät oder SDR) und leitet es über das Internet weiter.
  2. Cloud-Verarbeitung: Die rechenintensive KI-Filterung findet nicht auf dem Heimanwender-PC statt, sondern auf zentralen Servern (u.a. in den USA, der Schweiz und Singapur).
  3. Rückstrom: Das gereinigte Audiosignal wird in Echtzeit an den Anwender zurückgestreamt.

Über einen zentralen Schieberegler lässt sich die Filterstärke bequem von 0 bis 100 % einstellen.

Der Kompromiss: Die Latenz

Der Clou des Cloud-Computings hat allerdings einen Haken – die Latenz. Anwender berichten von einer typischen Verzögerung von rund 300 Millisekunden. Während das im normalen SSB-Sprechfunk gut tolerierbar ist, kann es bei schnellem CW-Betrieb (Full-Break-In / QSK) oder im Contesting durchaus störend wirken.

Maschinelles Lernen im Funkalltag

Die KI hinter RM Noise wurde mit großen Datenmengen trainiert, um menschliche Sprache und CW-Signale präzise von Störgeräuschen zu trennen. Das Geniale daran: Die Community hilft mit.

Da Störquellen an jedem Standort einzigartig sind, können Funkamateure eigene Rauschproben (ohne Sprache, CW oder Sinuswellen, mind. 30 Minuten lang) auf der Projektwebseite einreichen. So wird das Modell mit jeder Einsendung robuster.

Erfahrungen aus der Praxis

In der Praxis zeigt die Software beeindruckende Ergebnisse: Anwender berichten, dass zuvor unbrauchbare Signale (z. B. ein S1-Signal in einem heftigen S9-Rauschpegel) plötzlich glasklar kopierbar werden. Auch die Hörermüdung sinkt drastisch.

Dennoch gilt wie so oft: Viel hilft nicht immer viel. Wer den Schieberegler zu aggressiv aufdreht, läuft Gefahr, auch extrem schwache, direkt am Rauschpegel liegende Nutzsignale wegzufiltern.


Einordnung: Wo steht RM Noise im Technologie-Vergleich?

  • Integrierte DSP-Transceiver & externe Hardware: Arbeiten nahezu latenzfrei und autark, scheitern aber oft bei extremen, nicht-stationären Störungen.
  • Lokale KI-Software: Benötigt meist eine leistungsstarke Grafikkarte (GPU) im eigenen PC, arbeitet dafür aber lokal und ohne nennenswerte Latenz.
  • RM Noise (Cloud-KI): Liefert eine überlegene Filterleistung bei komplexem Elektrosmog, ist jedoch von einer stabilen Internetverbindung und Serververfügbarkeit abhängig.

Fazit

RM Noise ist kein kompletter Ersatz für klassische DSP-Filter, sondern eine faszinierende und vor allem kostenlose Ergänzung – insbesondere für SDR-Setups oder ältere Funkgeräte. Wer unter starkem lokalem QRM leidet, findet hier ein mächtiges Werkzeug, um den Hörkomfort massiv zu steigern.


Weiterführende Links & Quellen

Copyright-Hinweis: © 2026 Wilhelm Hombach (DL4KAL). Der Text basierend auf einer Fachanalyse wurde für den Blog sowie zur Veröffentlichung im Fachmagazin FUNKAMATEUR verfasst. Alle Rechte am Text und den bereitgestellten Inhalten vorbehalten.


Wie der Amateurfunk den Nachwuchs wirklich begeistert

Wie der Amateurfunk den MINT-Nachwuchs wirklich begeistert

Zusammenfassung zweier Beiträge vom Blog Funknotizen (u.a. unter Einbezug der Impuls-Diskussion von DL2YMR).

Das Klischee vom betagten Funkamateur, der einsam im Keller sitzt und auf stumme Lokalrelais wartet, hat längst ausgedient. In einer Zeit, in der weltweite Kommunikation per Smartphone alltäglich geworden ist, verfängt das reine Argument der „weltweiten Verbindung“ bei der jüngeren Generation kaum noch. Doch der Amateurfunk erlebt im Zusammenspiel mit den Naturwissenschaften und der MINT-Welt (Physik, Elektronik, Informatik) eine Faszination ganz neuer Art.

In seinem YouTube-Video „Vertreiben die Alten den Nachwuchs aus dem Amateurfunk?“ greift DL2YMR eine vielbeachtete Reddit-Diskussion auf und stellt eine fundamentale Frage: Warum finden selbst angehende Elektroingenieure und Informatiker heute oft erst über Umwege zum Amateurfunk – und wie begeistern wir den Nachwuchs nachhaltig?

Die Antwort zeigt deutlich: Es geht jungen Menschen heute nicht mehr primär um das Dass, sondern um das Wie – um die Physik hinter der Welle, autarken Experimentiergeist, Software-Schnittstellen und die Herausforderung, mit eigenen Mitteln verlässliche Verbindungen herzustellen.


MINT als Superkraft: Vom Verstehen zum Machen

Vergiss langweilige Schulbücher – der Amateurfunk ist der ultimative MINT-Spielplatz. Wer sich darauf einlässt, erwirbt keine graue Theorie, sondern zukunftsfähige Skills für Bereiche wie Robotik, KI, Raumfahrt oder IT-Sicherheit:

  • Physik in Reinkultur: Du verstehst, wie sich Radiowellen in der Ionosphäre ausbreiten, wie Antennen funktionieren und warum das eigene WLAN im Alltag manchmal ins Stocken gerät.
  • Angewandte Elektronik: Du baust deinen eigenen Sender oder Empfänger, lernst das Löten, misst Signale und lernst Schaltungen zu debuggen.
  • Informatik & Signalverarbeitung: Du nutzt Einplatinencomputer (wie den Raspberry Pi) sowie Software Defined Radios (SDR) und programmierst eigene Anwendungen zur Signalverarbeitung[cite: 1].

Deine Superkraft ist Wissen: Es ist keine bloße Theorie, es ist direkte Action! Du nutzt die Welt nicht nur – du lernst, sie selbst zu bauen.


Wo der Wandel ansetzen muss:
4 Handlungsfelder für die Praxis

Damit die Lizenz – etwa über den leichten Einstieg mit der neuen Klasse N – kein Papiertiger bleibt, müssen Ortsverbände, Vereine und Aktive rasch umdenken:

1. Neue Orte besetzen & Synergien nutzen

Wir müssen dort Präsenz zeigen, wo die Zielgruppe tüftelt: in Maker Spaces, Hackerspaces, Technik-Messen und Hochschul-Laboren[cite: 1]. Wer mit Microcontrollern oder Python arbeitet, betreibt oft schon HF-nahe Technik[cite: 1]. Statt der klassischen Großstation stehen bei Einsteigern heute Satellitenfunk, APRS, Software Defined Radio (SDR) und digitale Betriebsarten hoch im Kurs.

2. Einstiegshürden abbauen: QRP, Portabel & Leihgeräte

Junge Menschen wohnen selten im Eigenheim mit Platz für große Antennenmasten. Der Fokus auf QRP (Senden mit kleiner Leistung), POTA/SOTA (Parks / Summits on the Air) und behelfsmäßige Drahtantennen löst das Platzproblem in Mietwohnungen und senkt die Kosten drastisch. Ortsverbände sollten zudem Geräte-Pools mit kompakten Leihgeräten aufbauen.

3. Das „Day One“-Erlebnis nach der Prüfung sichern

Ein frisch gebackener Funkamateur, der nach der Prüfung nur stumme Lokalrelais vorfindet, verliert schnell die Orientierung. Strukturierte Mentoring-Patenschaften müssen am Tag der Lizenzübergabe greifen – etwa durch gemeinsame Antennenbau-Projekte, Feldtage oder Mitmach-Workshops (Lötsessions, Messgeräte-Praxis) statt reiner Vereinsstammtische.

4. Digitale Kommunikation & Kultur ohne Gatekeeping

Niedrigschwellige Kontaktaufnahme über moderne Kanäle (Discord, Matrix, Signal) sowie schnelle Antwortzeiten sind Pflicht. Zudem gilt es, Vorurteile gegenüber neuen Spielarten („FT8 ist kein richtiger Funk“) abzubauen. Erfahrene Funkamateure ergänzen die Begeisterung der Neulinge ideal mit ihrem Praxiswissen zu HF-Technik und Fehlersuche.


Tradition und Zukunft auf Augenhöhe

Wie DL2YMR treffend zusammenfasst, geht es nicht darum, Traditionen über Bord zu werfen oder das Hobby krampfhaft „jugendlich“ zu inszenieren. Der Amateurfunk wird dann wieder attraktiv, wenn erfahrene und neue Funkamateure auf Augenhöhe zusammenkommen und der Sport offen, praktisch und neugierig bleibt.

Bist du bereit, deine Neugier in eine Superkraft zu verwandeln? Dann funk dich schlau!


📚 Quellen, Lernmaterialien und Links zum Einstieg

Literatur & Lernplattformen

Kategorie Titel / Quelle Fokus / Relevanz
Lernplattform 50ohm.de Offizielle DARC-Lernplattform speziell für die Klasse N.
Prüfungstraining afup.a36.de Kostenloses Online-Prüfungstraining für alle Klassen.
Lehrbuch Amateurfunklehrgang Klasse N Offizielles Lehrmaterial vom DARC Verlag.
Handbuch Amateurfunk: Das umfassende Handbuch Rheinwerk Verlag – Standardwerk für Technik & Praxis.

Organisationen & Netzwerke

Empfohlene Video-Beiträge

R&S Antennentuner im Kurzdipol

Rohde & Schwarz ATU im Kurzdipol

Kommerzielle High-End-Technik trifft Amateurfunk-Praxis

In der Amateurfunk- und Professionellfunk-Community dreht sich oft alles um die Optimierung des Antennendiagramms und die Minimierung von Verlusten. Das professionelle Antennensystem R&S HX002H2 ist ausgereift und erreicht die physikalisch machbare Effizienz. Eine praxisnahe Lösungen für den mobilen Betrieb im Amateurfunk ist jedoch nicht wesentlich schlechter – Dieser Text beleuchtet die physikalischen Hintergründe, technischen Finessen und praktischen Lehren dieses faszinierenden Antennenkonzepts.

1. Die physikalische Herausforderung: Elektrisch kurze Antennen

Die Antenne HX002H2 von Rohde & Schwarz bietet mit einer Gesamtlänge von gerade einmal 5,2 Metern und einer Breite von 2,2 Metern extrem kompakte Abmessungen für den gesamten Frequenzbereich von 1,5 MHz bis 30 MHz.

Betrachtet man die untere Kurzwelle – etwa das 80-Meter-Band bei ca. 3,5 MHz –, wird schnell klar, vor welch gewaltigen physikalischen Hürden Ingenieure stehen:

  • Bruchteil der Resonanzlänge: Ein Dipol für 3,5 MHz misst idealerweise knapp 40 Meter. Eine Länge von 5,2 m entspricht hier nur etwa λ/20.
  • Extrem hoher kapazitiver Blindwiderstand: Die Antenne wirkt elektrisch wie ein reiner Kondensator mit winzigem Strahlungswiderstand.
  • Hohe Blindleistungen: Ohne perfekte Kompensation fließen hier massive Scheinleistungen, die bei ungeeigneten Bauteilen sofort in Wärme statt in HF-Energie umgesetzt würden.

2. Der Gamechanger: Der direkt integrierte ATU

Ein klassischer Fehler im Amateurfunk (und oft aus Platzgründen ein Kompromiss) ist die Platzierung des Antennentuners im Shack oder am Ende eines langen Koaxialkabels (z. B. RG-58). Bei einer elektrisch kurzen Antenne führt dies auf den tieferen Bändern zu katastrophalen Verlusten:

Das extrem hohe stehende Wellenverhältnis (SWR) im Koaxialkabel erzeugt enorme Leitungsdämpfungen, selbst wenn das SWR am Funkgerät dank des Tuners 1:1 anzeigt. Die HF "heizt" de facto das Kabel auf, bevor sie überhaupt an der Antenne ankommt.

Die R&S-Lösung: Der automatische Antennentuner (ATU) sitzt unmittelbar am Speisepunkt der Antenne. Die Impedanztransformation findet genau dort statt, wo die physikalische Fehlanpassung entsteht. Das nachfolgende Kabel sieht ein sauberes 50-Ohm-SWR, wodurch die Kabelverluste minimal bleiben.

3. Der Leistungsvergleich: Professionelle Ingenieurskunst vs. Amateur-Praxis

Ein zentraler Aspekt des ursprünglichen Blogbeitrags war der direkte Blick auf den Antennengewinn im 80-Meter-Band:

  • Rohde & Schwarz (HX002H2): ca. –12 dB Gewinn (entspricht einem Signalverlust von rund zwei S-Stufen gegenüber einem resonanten Halbwellendipol).
  • Amateur-Wohnmobil-Setup (DL4KAL): ca. –18 dB Gewinn (entspricht rund drei S-Stufen Unterschied).


Woher resultiert dieser Unterschied von ca. 6 dB?

  1. Güte (Q-Faktor) der Bauteile: Professionelle Systeme verwenden hochfeste Vakuumkondensatoren, verlustarme Ringkerne und HF-Relais/Schalter, die auch bei hohen Spannungen und Strömen minimale Eigenverluste aufweisen. Im mobilen Amateurfunk müssen oft kompaktere, kommerziell verfügbare Komponenten Kompromisse eingehen.
  2. Symmetrierung und Mantelwellenunterdrückung: Kommerzielle Antennen besitzen hochpräzise Baluns und Mantelwellensperren, die unerwünschte Abstrahlung über Steuerungs- und Versorgungsleitungen effektiv verhindern.

4. Warum dieses Konzept im Mobil- und Notfunk unschlagbar ist

Trotz des theoretischen Verlustes (–12 bis –18 dB) ist dieses Konzept für den mobilen und stationären Funk von unschätzbarem Wert:

  • Frequenzagilität: Vollautomatische Anpassung über den gesamten KW-Bereich (1,5–30 MHz) ohne manuelles Umstecken von Spulen oder Abstimmen von Längenelementen.
  • Mechanische Robustheit & Windlast: Im Vergleich zu riesigen Drahtantennen oder langen Peitschen bietet ein kompakter Kurzdipol dem Wind kaum Angriffsfläche – ideal für Wohnmobile oder temporäre Portabelstandorte.
  • NVIS-Tauglichkeit (Near Vertical Incidence Skywave): Für den regionalen Funkverkehr, auch bei Katastrophen- oder Krisenszenarien, ist der steile Abstrahlwinkel bei geringer Aufbauhöhe oft von Vorteil, um Funklöcher im Nahbereich zu schließen.

Fazit

Der Beitrag zeigt: Ob professioneller Systemlieferant oder engagierter Funkamateur – die Gesetze der Physik lassen sich nicht überlisten. Doch während kommerzielle High-End-Technik durch kompromisslose Bauteilauswahl das Maximum herausholt, beweist die Praxis, dass das Prinzip des Kurzdipols mit direkt am Speisepunkt sitzendem ATU auch im Amateurfunk eine hochfunktionale, robuste und extrem flexible Lösung darstellt. Nach dem Motto: Eine funktionierende, kompakte Antenne schlägt jeden perfekten Dipol, der mangels Platz im Keller bleibt!

Bildquellen: Werksfotos Rohde & Schwarz

© 2025 Wilhelm Hombach (DL4KAL)
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Meinungsfreiheit im Amateurfunk


Schon in den frühen Tagen des Amateurfunks, in den 1920er Jahren, war Meinungsfreiheit ein fester Bestandteil der Funkertradition. Damals verband der Äther Menschen über Grenzen, Sprachen und Weltanschauungen hinweg. Funkamateure tauschten technische Erkenntnisse, Gedanken und Erfahrungen aus – nicht selten in Zeiten, in denen freie Worte keine Selbstverständlichkeit waren. Dieser offene Geist, der Wunsch nach Austausch und Verständnis, begleitet uns bis heute und macht den Amateurfunk zu einem Ort der gelebten Freiheit und Verbundenheit.


1. Rechtlicher Rahmen

  • Artikel 5 des Grundgesetzes schützt die freie Meinungsäußerung.
  • Auch im Amateurfunk dürfen wir offen und respektvoll unsere Sicht einbringen –
    über Technik, über gesellschaftliche Entwicklungen oder über neue Wege der Kommunikation.
  • Dieser Freiraum ist ein kostbares Fundament, auf dem unser Funkwesen ruht.


2. Lebendige Vielfalt im Amateurfunk

  • Der Amateurfunk lebt von der Vielfalt seiner Menschen und Ideen.
  • Ob Digitalfunk, Notfunk, QRP-Betrieb oder moderne Netzwerke wie Meshtastic –
    jede Initiative bereichert das große Ganze.
  • Erfahrungen, kreative Ansätze und engagierte Diskussionen öffnen Türen zu Innovation und Verständnis.
  • Wenn wir einander zuhören und unterschiedliche Perspektiven zulassen,
    wächst unser gemeinsames Wissen mit jeder Aussendung.


3. Wertschätzender Austausch als Stärke

  • Offen miteinander zu sprechen, fördert Vertrauen und Gemeinschaft.
  • Ein respektvoller Umgangston schafft Raum für neue Gedanken und Lösungen.
  • Jeder Funkamateur bringt eine eigene Geschichte, Begabung und Haltung mit – und genau das macht unseren Austausch so wertvoll.
  • In einer Atmosphäre der gegenseitigen Achtung entsteht Harmonie im Äther.


4. Verantwortung und Funker-Ethik

  • Meinungsvielfalt ist eine Bereicherung für unser Hobby.

  • Zuhören ist ebenso wichtig wie Senden.

  • Freundlichkeit im Gespräch stärkt das Wir-Gefühl.

  • Offenheit, Respekt und Sachlichkeit sind Ausdruck echter Funker-Ethik.


Schlusswort

Amateurfunk bedeutet Gemeinschaft, Neugier und Freude am Austausch. Unsere Gespräche, Ideen und technischen Experimente verbinden Menschen auf der ganzen Welt. Wenn wir diese Offenheit pflegen, bleibt der Amateurfunk ein Ort der Inspiration und Freundschaft.

Lasst uns gemeinsam den Geist der Freiheit und des Miteinanders bewahren –mit einem klaren Signal, einem offenen Ohr und einem herzlichen „73“ für alle, die den Äther mit Leben füllen.

Funk dich schlau

Funk dich schlau:
Entdecke die Power von Amateurfunk und Naturwissenschaften!


Hey du! Bist du bereit, mehr zu entdecken als nur das, was auf deinem Smartphone-Display passiert? Dann halt dich fest, denn Amateurfunk und die Naturwissenschaften (wie Physik, Elektronik und Informatik) sind dein Ticket zu einem Abenteuer, das deine Welt erweitern wird!


Warum du dranbleiben solltest

Vergiss langweilige Schulbücher – hier geht's um echtes Machen und Verstehen. Stell dir vor, du...

  • ... baust deinen eigenen Sender oder Empfänger zusammen (keine Sorge, das ist einfacher, als du denkst!) und hörst, wie Signale um die ganze Welt fliegen. Das ist angewandte Elektronik und Physik in Reinkultur!
  • ... lernst den Morsecode als eine Art "Geheimsprache" und chattest mit Leuten in Japan, den USA oder sogar auf einem Schiff mitten im Ozean.
  • ... verstehst wirklich, wie Wellen funktionieren, warum dein WLAN manchmal spinnt und wie Satelliten Daten zur Erde senden. Du knackst den Code der Funktechnik.
  • ... bist Teil einer coolen, globalen Community, die bei Notfällen oft die einzige Möglichkeit ist, Kontakt herzustellen. Das ist Verantwortung und Teamwork auf höchstem Niveau.

Deine Superkraft: Wissen

Die Grundlagen, die du im Amateurfunk lernst, sind nicht nur ein cooles Hobby, sondern die Zukunft. **Elektronik, Programmieren, Signalverarbeitung** – das sind die Skills, die in Bereichen wie Robotik, KI, Raumfahrt und IT-Sicherheit gesucht werden.

Amateurfunk ist der ultimative MINT-Spielplatz:

  • Physik: Du verstehst, wie sich Radiowellen in der Ionosphäre ausbreiten.
  • Elektronik: Du lötest, misst und debuggst deine eigenen Schaltungen.
  • Informatik: Du programmierst kleine Computer (wie einen Raspberry Pi), um Funksignale zu senden.

Es ist keine Theorie, es ist Action!

Fang an!

Es ist ganz einfach, in die Welt des Funkens und Tüftelns einzutauchen. Such in deiner Nähe nach einem Ortsverband der Funkamateure – die Leute dort sind super hilfsbereit. Oder starte mit einem kleinen Bausatz für einen Empfänger.

Warte nicht, bis dir jemand die Welt erklärt. Bau sie dir selbst!

Bist du bereit, deine Neugier in eine Superkraft zu verwandeln? Dann Funk dich schlau!


Quellen, Links und Literatur: Dein Einstieg in Amateurfunk und MINT

Diese Sammlung hilft dir, den konkreten Einstieg in den Amateurfunk und die MINT-Themen zu finden.

📚 Literatur und Lernmaterialien (Deutschland)

Kategorie Titel / Quelle Fokus / Relevanz für den Einstieg
Lehrbücher Amateurfunklehrgang Klasse N (DARC Verlag) Speziell für die neue Einsteiger-Klasse N (Prüfungsstoff).
Nachschlagewerk Amateurfunk: Das umfassende Handbuch (Rheinwerk Verlag) Ein Standardwerk für Technik, Betrieb und Projekte.
Prüfungstraining afup.a36.de Kostenloses Online-Prüfungstraining für alle Amateurfunk-Klassen.
Lernplattform 50ohm.de (DARC) Offizielle Lernplattform des DARC für die Klasse N.

🔗 Wichtige Institutionen und Online-Ressourcen

Amateurfunk-Organisationen und Ausbildung

  • Deutscher Amateur-Radio-Club (DARC) e. V.:
    • Ausbildungsseite – Überblick über Kurse und Lernmöglichkeiten.
    • Jugend-Aktivitäten (AJW) – Infos zu Jugend Fielddays und Jugendgruppen.
    • Tipp: Über die DARC-Seite lokale Ortsverbände (OV) für Präsenzkurse finden.
  • AFU-Base: https://afu-base.de/ – Infos zur Prüfung und den verschiedenen Lizenzklassen.

MINT-Förderung und Projekte

  • MINT-Cluster (BMBF): Außerschulische Angebote und Workshops in deiner Region.
  • MINT technikum / Maker Spaces: Regionale Initiativen, die Kurse zu Arduino, Löten und Programmierung anbieten.
  • MINT-Wettbewerbe: MINTMACHER verweist auf Wettbewerbe wie "Jugend forscht".

Video-Tipp