LORAMESH im Amateurfunk

MeshCom vs. Meshtastic & Co. 

Der große Überblick für Newcomer



Der Einstieg in digitale, satelliten- und internetunabhängige Funknetzwerke (Off-Grid-Kommunikation) boomt. Insbesondere die Kombination aus erschwinglicher LoRa-Hardware (Long Range) und intelligentem Mesh-Routing begeistert immer mehr Funkamateure.

Wer sich als
Newcomer jedoch mit dem Thema beschäftigt, stolpert unweigerlich über verschiedene Protokolle und Software-Projekte. Die zentrale Frage lautet meistens: Welches System ist das richtige, und was nutzen die meisten Funkamateure eigentlich?


1. Die drei großen Player im Vergleich

Um die richtige Wahl zu treffen, lohnt sich ein Blick auf die drei bekanntesten Plattformen, die aktuell auf identischer oder ähnlicher Hardware laufen:

A. MeshCom (v4.x) – Der Goldstandard im Amateurfunk

  • Zielgruppe: Exklusiv für lizenzierte Funkamateure.
  • Frequenzen: Amateurfunkband (in der EU primär 433,175 MHz).
  • Protokoll & Basis: APRS / AX.25 – perfekt integriert in bestehende Ham-Netzwerke und das HAMNET.
  • Rechtlicher Rahmen: Rufzeichen-Pflicht, keine Verschlüsselung, höhere Sendeleistungen und Antennen am Mast erlaubt.
  • Besonderheit: Die ideale Brücke vom LoRa-Netzwerk zum klassischen APRS-Dienst.

B. Meshtastic – Der Massenmarkt-Spitzenreiter

  • Zielgruppe: Zivil, Jedermann, Prepper-Szene (weltweiter Hype).
  • Frequenzen: Anmelde- und lizenzfreie ISM-/SRD-Frequenzen (z. B. 868 MHz in Europa).
  • Protokoll & Basis: Eigene Paketstruktur mit einfachem Flooding-Routing.
  • Rechtlicher Rahmen: Lizenzfrei, aber strenge Sendeleistungs-Limits (ERP) und Duty-Cycle-Vorgaben.
  • Besonderheit: Millionen aktive Geräte weltweit, hervorragende Smartphone-Apps und auf Amateurfunk-Events oft parallel im Einsatz.

C. MeshCore – Die Alternative für Tech-Enthusiasten

  • Zielgruppe: Fortgeschrittene Maker, Technik-Tüftler und regionale Initiativen.
  • Frequenzen: Flexibel konfigurierbar, praxisnah oft auf ISM-Bändern (wie dem aktiv betriebenen Knoten auf 869,618 MHz).
  • Protokoll & Basis: Optimiertes Routing zur Erprobung robuster Textkommunikation ohne Mobilfunk, WLAN oder Internet.
  • Rechtlicher Rahmen: Abhängig von der jeweils genutzten Frequenz.
  • Besonderheit: Setzt auf effizientes Routing und gewinnt auch durch reale Infrastrukturprojekte an exponierten Standorten an Bedeutung.


2. MeshCom: Der Goldstandard im deutschsprachigen Amateurfunk

Wenn es um ein rein für den Amateurfunk konzipiertes LoRa-Netzwerk geht, führt im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) kaum ein Weg an MeshCom (aktuell in der ausgereiften Version 4.x, entwickelt u. a. vom ICSSW) vorbei.

Warum greifen Funkamateure zu MeshCom?

  • Rechtssicherheit & Konformität: Da MeshCom im 70-cm-Amateurfunkband arbeitet, entfallen die engen Einschränkungen des Jedermannfunks (wie die strikten Duty-Cycle-Grenzen bei 868 MHz). Zudem wird jedes Gerät sauber mit dem eigenen Rufzeichen (inkl. SSID) betrieben.
  • Die APRS-Brücke: MeshCom nutzt das bewährte AX.25-Protokoll. Das bedeutet, dass Positionsdaten, Wetterstationen (WX) und Kurznachrichten direkt mit dem klassischen APRS-Netzwerk oder dem HAMNET verknüpft werden können. Ein mitgebrachtes Packet-Radio-Erbe fließt hier perfekt ein.
  • Flexibilität bei der Hardware: Es werden dieselben günstigen ESP32-basierten Boards genutzt wie bei der Konkurrenz (z. B. LilyGO T-Beam, Heltec V3 oder RAK-Module). Mit einer passenden Firmware-Flashing-Webseite ist das Aufspielen in wenigen Minuten erledigt.


3. Die Rolle von Meshtastic: Der unterschätzte Begleiter

Betrachtet man die absolute Gerätezahl und den Bekanntheitsgrad außerhalb des reinen Clubheims, hat Meshtastic weltweit die Nase vorn.

  • Der "Zwillingsbruder" bei Events: Da die Hardware identisch ist, besitzen viele Funkamateure neben ihrem MeshCom-Node auch ein Meshtastic-Gerät. Auf Fielddays, Messen (wie der HAM RADIO) oder bei Outdoor-Aktivitäten wird Meshtastic wegen seiner hervorragenden Smartphone-App und des unkomplizierten Gruppenchats oft parallel genutzt.
  • Der Haken für den ambitionierten OM: Auf den in Europa üblichen Meshtastic-Frequenzen (868 MHz) ist man rechtlich an den Jedermannfunk gebunden. Das schränkt die Experimentierfreude (z. B. Betrieb an großen Antennen auf dem Mast mit höherer Leistung) stark ein, und die strikte Verschlüsselung bzw. das Fehlen von Rufzeichen widerspricht dem klassischen Amateurfunkgedanken.

4. MeshCore: Die smarte Alternative für Technik-Enthusiasten

Während MeshCom und Meshtastic den Markt dominieren, gewinnt MeshCore als alternative Firmware zunehmend an Aufmerksamkeit bei technikbegeisterten Anwendern und regionalen Verbänden.

  • Praktischer Aufbau an exponierten Standorten: Wie praxisnahe Beispiele aus der Region zeigen – etwa der Betrieb eines MeshCore-Knotens durch die Interessengemeinschaft der Funkamateure Siebengebirge (IGFS) auf dem Oelberg –, wird diese Technik gezielt eingesetzt, um den Aufbau unabhängiger, regionaler Kommunikationsstrukturen voranzutreiben. Solche Projekte dienen dazu, Erfahrungen mit dezentralen Mesh-Netzen zu sammeln, die technische Bildung zu fördern und die robuste Textkommunikation für lokale Ausfälle oder Übungen zu erproben.
  • Technische Herausforderungen: Der Betrieb an exponierten Standorten mit vielen umliegenden Sendern erfordert oft spezielle Kniffe wie den Einsatz von Hohlkammerfiltern zur Vermeidung von Übersteuerungen oder maßgeschneiderte Remote-Update-Lösungen über Raspberry Pi, da direkte Bluetooth-Zugriffe im Schaltschrank auf dem Dach nicht immer möglich sind.
  • Für wen lohnt es sich?: Wer über den Tellerrand blicken möchte, technisch anspruchsvolle Infrastrukturprojekte sucht oder die Erprobung dezentraler Netze unterstützen will, findet in MeshCore eine hochspannende Spielwiese.



5. Fazit & Empfehlung für den Einstieg

Welches System das richtige ist, hängt stark von den persönlichen Vorlieben und dem Einsatzzweck ab. Alle drei Plattformen nutzen dieselbe günstige Hardware (ESP32 / LoRa-Module), verfolgen aber völlig unterschiedliche Ansätze:

  • MeshCom ist die erste Wahl für alle Funkamateure, die ein rechtssicheres, nahtlos in den Amateurfunk (APRS/HAMNET) integriertes Netz aufbauen möchten. Wer mit eigenem Rufzeichen, auf Amateurfunkfrequenzen und im Einklang mit den Lizenzbestimmungen experimentieren will, greift zu MeshCom.
  • Meshtastic empfiehlt sich als perfekter, netter Begleiter für den Alltag und Events. Dank der riesigen Community und der starken Smartphone-App ist es ideal, um unkompliziert mit anderen (auch Nicht-Funkamateuren) in Kontakt zu treten – allerdings mit den Einschränkungen des zivilen Jedermannfunks.
  • MeshCore richtet sich an Tech-Enthusiasten und Fortgeschrittene, die praxisnah an regionalen Infrastrukturen (wie exponierten Relais- und Berggipfel-Standorten) mitwirken, Erfahrungen mit dezentralen Mesh-Netzen sammeln und robuste Off-Grid-Kommunikation erproben möchten.

Der Tipp für den Start: Da die Hardware (z. B. LilyGO T-Beam oder Heltec) flexibel ist, fängt man am besten mit dem System an, das in der eigenen OV-Runde oder Region am stärksten vertreten ist. Ein Blick auf lokale Clubaktivitäten – wie den Aufbau von MeshCore-Knoten auf markanten Bergen – zeigt schnell, wo in der Nachbarschaft experimentiert wird!

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